Τετάρτη 7 Ιανουαρίου 2009

Wirtschaft
Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine
Energiesorgen und Spar-Appelle in Bulgarien
Wegen des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine erreicht Bulgarien kein russisches Gas mehr. Die Bevölkerung und die Industrie wurden zu sparsamem Verhalten aufgerufen. Die Regierung erwägt auch, ein stillgelegtes Atomkraftwerk wieder in Betrieb zu nehmen.
Von Jörg Paas, ARD-Hörfunkstudio Südosteuropa
[Bildunterschrift: In Bulgarien werden die Fernheizkraftwerke mit Gas betrieben, welches nun knapp wird. ]Nicht nur in Deutschland, auch in Sofia ist das Thermometer vor ein paar Tagen deutlich unter Null gefallen. Die meisten Wohnungen sind nur schlecht isoliert, die Stimmung in Bulgariens Hauptstadt ist gedrückt. "Wir sind in einer Krisensituation", sagt Petar Dimitrow, der Wirtschafts- und Energieminister. Seit Dienstagfrüh kommt kein Erdgas mehr aus der Pipeline, die von Russland über die Ukraine und Rumänien in den ärmsten Staat der EU führt.
Mit Spar-Appellen versucht die Regierung, den drohenden Zusammenbruch der Energieversorgung abzuwenden. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, die mit Gas betriebenen Zentralheizungen weniger zu benutzen.
Auch die Industrie muss Energie sparen
Auch die Industrie ist betroffen. Zwei Düngemittelfirmen haben inzwischen ihren Betrieb eingestellt, um kostbare Energie zu sparen. Andere Unternehmen könnten folgen, meint der zuständige Minister Dimitrow: "Firmen, die es sich leisten können, sollten die Produktion vorübergehend einstellen. Denn den Betrieb der Fernheizwerke, die mit Gas betrieben werden, dürfen wir auf keinen Fall einstellen. Sonst gehen die Leute dazu über, mit Strom zu heizen, und dann bricht womöglich das Stromnetz zusammen."
Anders als etwa die Türkei hat Bulgarien keinen Zugang zu anderen Gasleitungen und ist deshalb völlig auf die Versorgung aus Russland angewiesen. Zwar gibt es im Norden des Landes ein Gas-Vorratslager, aber das ist vergleichsweise klein.
Im Ernstfall wird mit "Masut" geheizt
[Bildunterschrift: Hinter der Ukraine liegende Länder wie Bulgarien stehen durch fehlende Gaslieferungen massiv unter Druck. ]Staatspräsident Georgi Parwanow denkt über Alternativen zur Gasversorgung nach: "Zunächst einmal ist es wichtig, unsere eigenen Ressourcen zu nutzen. Damit meine ich nicht nur unseren Gasvorratsspeicher, dessen Kapazitäten zugegebenermaßen begrenzt sind. Darüber hinaus werden wir auch vermehrt Masut einsetzen müssen. Erste Schritte in dieser Richtung sind bereits veranlasst."
Masut ist ein zähflüssiger Destillationsrückstand aus russischem Erdöl, der auch zum Bau von Straßen verwendet wird. Der Heizwert ist hoch, die Umweltbelastung allerdings ebenfalls.
Ein stillgelegtes AKW könnte wieder ans Netz
Noch eine andere Energieform kommt in Sofia angesichts der Gaskrise vermehrt ins Gespräch. Mit dem Beitritt zur Europäischen Union verpflichtete sich Bulgarien, die Reaktorblöcke drei und vier des umstrittenen Kernkraftwerkes Kosloduj stillzulegen.
Jetzt könnten sie wieder hochgefahren und ans Netz genommen werden, sagt Staatspräsident Parwanow: "Ich denke, wir sollten unverzüglich die Wiederinbetriebnahme des dritten Reaktors in Kosloduj vorbereiten. Gemäß dem EU-Beitrittsvertrag haben wir in Krisensituationen das Recht dazu. Der vierte Reaktor braucht etwas mehr Zeit, aber den dritten könnten wir innerhalb eines Monats wieder einschalten."
AKW, Pipeline, Gasleitung - bislang nur geplant
In ein paar Jahren möchte Bulgarien energiepolitisch eine Schlüsselstellung auf dem Balkan einnehmen. Dann soll ein ganz neues Kernkraftwerk in Belene in Betrieb gehen, das unter russischer Regie gebaut wird. Dazu kommt eine Pipeline, durch die russisches Erdöl vom Schwarzmeerhafen Burgas bis zur Ägäis fließen soll und eine neue Gasleitung von Russland nach Italien, ebenfalls über bulgarisches Territorium.
Die Opposition in Sofia ist gegen diese ihrer Ansicht nach übertrieben starke Bindung an Moskau bisher schon Sturm gelaufen. Nach dem Lieferstopp für russisches Erdgas dürfte die Kritik an der Regierung zusätzlichen Auftrieb bekommen

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